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Hundertwassersche Inspirationen

Während Ole im Sommer (zur Zeit der ersten Bau- und Zirkuswagen-Bleistiftzeichnungen)

für ein paar Wochen verreist war, verbrachte ich einige Zeit in der Osnabrücker Stadtbibliothek, wo ich mich durch eine Reihe Bücher wälzte, die auf die eine oder andere Weise mit kleinen Wohnräumen auf Rädern zu tun hatten. Eines der Bücher hat mich besonders fasziniert, amüsiert und inspiriert.



Die Dreieinigkeit von Architekt, Maurer und Bewohner


Hundertwasser kritisiert eine Architektur der “Schachtelkonstruktionen”, wie er es nennt, bei der die Menschen ein Quartier beziehen, das ihnen ebenso wesensfremd ist wie Hennen und Kaninchen die Käfigkonstruktionen, in die sie hineingesetzt werden. Eine Architektur, bei der die Außenansicht eines Hauses nicht darauf schließen lässt, dass darin ein Mensch wohnt — ein Mensch, der sich von anderen Menschen unterscheidet (Illetschko 2012, 46).


Aus Hundertwassers Sicht handelt es sich nur dann wirklich um Architektur, “wenn Architekt, Maurer und Bewohner eine Einheit sind, das heißt ein und dieselbe Person” (ibid., 47). Für ihn sind Häuser unsere dritte Haut, was bedeutet, dass ein Haus “eine lebendige, organische Einheit sein [muss], die sich fortentwickelt und ständig wandelt” (ibid., 30f.). Entsprechend ermutigt er jede/n dazu, zu bauen, sei es nun neu- oder weiterzubauen.


Das Schöne daran, sich mit eigenen Händen ein kleines Häuschen auf Rädern zu bauen, lässt sich durch Hundertwassers Dreieinigkeit aus Architekt, Erbauer und Bewohner veranschaulichen: Das Häuschen kann ganz genau entsprechend der Bedürfnisse seines/r Bewohner/s gestaltet und, sollten sich diese Bedürfnisse ändern, organisch an diese anpasst werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein jedes dieser kleinen selbstgebauten Häuschen —und dies schließt Bau- und Zirkuswägen unbedingt mit ein!— eine Menge über seine/n Menschen aussagt, ganz so wie es Hundertwasser vorschwebt: “Das Haus ist das Spiegelbild des Menschen.” (ibid., 248).


(credits to Priit N, verändert in Ausschnitt & Farbe)


Die Horizontale der Natur


Für Hundertwasser gehört die Horizontale der Natur, während er die Vertikale dem Menschen zuspricht. So solle von oben betrachtet nur Natur und nicht etwa ein Haus zu sehen sein: “Das Erdstück, das beim Hausbau zugedeckt und umgebracht wird, muß auf das Dach verlegt werden. Eine so dicke Erdschicht, daß auf den Dächern 100jährige Bäume, riesige Bäume, wachsen können.” (ibid., 61)


Da unser wandelndes Häuschen nicht dauerhaft und unmittelbar auf einer Erdfläche stehen und diese versiegeln wird, entsteht das Problem des “Umbringens” eines Erdstücks erst gar nicht. Dennoch liebäugelten wir eine ganze Zeit lang mit einem Gründach (als modeste Form einer Dachbewaldung, wie sie Hundertwasser vorschwebt, aber auch aus allerlei anderen Gründen, bspw. zur Wasseraufbereitung), und entschieden uns letztendlich nur dagegen, weil es für unseren 3,5t-Anhänger einfach zu schwer wäre.

Dennoch wird der Wandelwagen zumindest mit einem kleinen Gärtchen bestückt sein, welches sich von der Schlafplattform aus über das Dreiecksfenster erreichen lassen und das Regenwasser auffangen soll, das den Wasserkreislauf speisen soll.

Außerdem möchte ich in diesem Gärtchen bienenfreundliche Pflanzen ansiedeln, nachdem ich mir Ideen wie Nistkästen und Bienenstöcke am Wandelwagen aus dem Kopf geschlagen habe. Das macht mich froh, denn so wird der Wandelwagen wenn auch keine Baum-, Vogel- oder Bienenbewohner, so doch zumindest Pflanzenbewohner und regelmäßige Bienenbesucherinnen haben. :)



Wer mehr über Hundertwassers Ideen zu Architektur, Fensterrecht und Baummietern erfahren möchte, oder wen interessiert, wieso Hundertwasser stets ein Kilo Gips mit sich herumtrug (insbes. wenn er irgendwo eingeladen war) und wie dies mit der geraden Linie zusammenhing, der er seinem Kampf angesagt hatte, dem kann ich dieses mein liebstes Bibliotheks-Buch ans Herz legen: Illetschko, Georgia. 2012. Planet Hundertwasser. München: Prestel.



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@2017 wandelwagen.